Zeitzeugin zu Gast an der Rochus
Mit Eva Szepesi war eine der noch letzten lebenden Zeitzeugen des Holocaust, die als junges Mädchen das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau überlebte, zu Gast. Sie berichtete den Schülern der Abschlussklassen von ihrer Kindheit in Ungarn, die bis zum Ausbruch des 2. Weltkriegs sehr unbeschwert verlief. Mit Beginn des 2. Weltkriegs und der Kooperation Ungarns mit dem Deutschen Reich, änderte sich die Stimmung jedoch schlagartig. Freunde, mit denen sie zuvor noch gespielt hatte, fingen an sie zu beschimpfen und mieden sie. Die Lage verschlechterte sich so sehr, dass sie mit ihrer Tante in die Slowakei flüchten musste. Ihre Mutter blieb mit dem Bruder in Budapest. Erst im Jahr 2016 sollte Frau Szepesi erfahren, dass beide in Auschwitz-Birkenau ermordet wurden. Ihr Vater hatte bereits zuvor in einer Art Strafkompanie kämpfen müssen, wo er den Tod fand.
Nachdem sie sich hatte in einer Familie eine Zeit lang verstecken können, wurde sie schließlich doch verhaftet und nach Auschwitz-Birkenau gebracht. In Auschwitz hatte sie in vielerlei Hinsicht unglaubliches Glück zu überleben. Zunächst fanden am Tag ihrer Ankunft keine Selektionen statt. Außerdem wandte sich eine slowakische Aufseherin an sie und gab ihr zu verstehen, sich bei der Befragung als sechszehnjährig auszugeben. Dies bewahrte sie dann davor, an einem der nächsten Tage unmittelbar in die Gaskammern geschickt zu werden. Über die Gründe, warum die die SS-Wärterin sich ihrer erbarmte, lässt sich im Nachhinein nur spekulieren.
Die folgenden Monate bis zur Befreiung des Lagers durch die Rote Armee vergingen für die Zeitzeugin wie in einem Fiebertraum. Abgemagert und schwer krank, ließ die SS sie in ihrer Baracke liegen, da man der Annahme war, sie würde nach einer kurzen Zeit sterben. Viele der ehemaligen Leidensgenossen wurden auf die berüchtigten Todesmärsche geschickt und kamen so in den letzten Kriegstagen zu Tode.
Neben den sehr eindrücklichen Schilderungen der Zeitzeugin, wurden auch weitere Erfahrungen von ihrer Tochter und der Enkelin, die zufälligerweise gerade aus Isreal zu Besuch gekommen war, ergänzt.
Am Ende des fast zweistündigen Gesprächs wandte sich Frau Szepesi an die zuhörenden Schüler mit dem Apell, sich in Zukunft mit aller Kraft gegen Ausgrenzung und Rassismus einzusetzen. Keiner solle sich schuldig fühlen, jedoch habe jeder eine Verantwortung dafür, dass sich die damaligen Ereignisse nie wieder wiederholen.